Videoüberwachung, konventionelle

Umstrittenes weniger umstritten zu machen, gelingt besonders dann, wenn noch umstrittenere Dinge eingeführt werden. So wurde am → Sicherheitsbahnhof Berlin-Südkreuz nun neben der Videoüberwachung auch ein Pilotprojekt zur Gesichtserkennung installiert. Das lässt dank seiner erschreckenden Möglichkeiten die bisherige Videoüberwachung weniger bedrohlich erscheinen, und so ist plötzlich die Rede von der konventionellen V. Aber ist sie das wirklich? Nein, denn konventionell bedeutet, dass sich alle auf eine Konvention – eine Regel des Umgangs – geeinigt haben. Das trifft aber hier nicht zu, denn V. wird von Datenschützern nach wie vor kritisiert und abgelehnt. Letztlich wird sie nur deshalb als konventionell bezeichnet, weil sich viele Menschen widerwillig an sie gewöhnt haben. Und weil es nun eben mit der automatischen Identifizierung von Personen noch eine Steigerung gibt, die Datenschützer sogar für illegal halten. Dass Letzteres mit dem Schutz der Privatsphäre noch weniger zu vereinbaren ist, heißt aber nicht, dass die V. nicht auch die Privatsphäre verletzt. Das Schlimme ist noch immer schlimm, auch wenn es längst Schlimmeres gibt.

Siehe auch → Videoaufklärung und → Videoschutz.

Abgelegt in: Innere Sicherheit

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Reaktionen

4 Reaktionen zu "Videoüberwachung, konventionelle"

  1. dot tilde dot sagt:

    maha, spann den bogen doch bitte gleich zur übereinkunft, statt das fremdwort nur zu nominalisieren.

    ansonsten: yeah, danke.

    .~.

  2. Martin Haase sagt:

    @dottildedot: ja, könnte man machen, aber „sich auf eine Übereinkunft einigen“ klingt jetzt auch nicht so gut, und konventionell ist eigentlich nur etwas, auf das sich viele/alle geeinigt haben. Ich finde, das wird in meiner Formulierung schon klar.

  3. Hannes Naumann sagt:

    Guckst du Wikipedia: „Das Adjektiv konventionell hat neben der Bedeutung den (gesellschaftlichen) Konventionen zu entsprechen auch die von herkömmlich oder hergebracht.“ (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Konvention).

    Insofern ist die Bezeichnung „konventionelle Videoüberwachung“ richtig bzw. nicht falsch gewählt. Nix mit „[…] dass sich alle auf eine Konvention – eine Regel des Umgangs – geeinigt haben […]“.

    Und meiner persönlichen Meinung nach ist es fantastisch, dass diejenigen „Menschen“, die sich in unserer Gesellschaft frei bewegen und nach Belieben irgendwo explodieren können, endlich sicht- und an ihrem dreckigen Fusselbart erkennbar werden.

    Terrorist: schlecht.
    Polizist: gut.

    Wann merkt ihr das mal?