Videoaufklärung

Ein Berliner Verein von CDU-Politikern propagiert die „Videoaufklärung“

Hoffnung wird hier zum bereits eingetretenen Erfolg hochgegaukelt. Denn gemeint ist die Videoüberwachung. Also das Aufzeichnen aller Menschen im Umfeld einer Videokamera, ohne dass sich diese Menschen eines Verbrechens verdächtig gemacht haben – in der Hoffnung, dass wenn ein Verbrechen geschieht, dieses mithilfe der Videobilder schneller oder leichter aufgeklärt werden kann. Auch wenn es einzelne Beispiele gibt, dass mithilfe von Videoüberwachungsbildern Täter gefunden wurden, existiert dafür keine Garantie. Jede Videoüberwachung zur V. zu erklären, ist ein unlauterer sprachlicher Trick. Denn damit verschleiert die V. die vorherrschende Eigenschaft dieser Tätigkeit. Aus der negativ empfundenen Überwachung wird die positiv klingende Aufklärung. Interessanterweise gehört die Videoüberwachung damit genau wie die Vorratsdatenspeicherung zu den Überwachungsmaßnahmen, für die bewusst immer wieder neue Begriffe gesucht werden. Was nahelegt, dass dahinter der Vorsatz steckt, den Abbau von Freiheiten positiv erscheinen zu lassen. Im Übrigen will die CDU, die das Konzept der V. erfunden hat, damit ziemlich viel Freiheit beschneiden. Denn der Gesetzentwurf, der mehr V. fordert, sieht vor, dass die Polizei neben den Bildern auch Ton aufzeichnen darf. Und damit also die Gespräche auf der Straße mitschneiden. Siehe Videotechnik, Videoschutz.

Abgelegt in: Innere Sicherheit

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Reaktionen

4 Reaktionen zu "Videoaufklärung"

  1. Tomicon sagt:

    …ich stimme zu: „Videoaufklärung“ ist ein irreführender Begriff, zumindest ist er uneindeutig gewählt.

    Mir scheint die Deutung der Gründe für diese Begriffswahl allerdings ein wenig zu eindimensional: Neben einer bewussten Irreführung durch einen nicht ganz sauberen sprachlichen Kniff, wie hier nahegelegt wird, gibt es noch wenigstens eine andere Begriffsbedeutung für „Aufklärung“. Bei der militärischen oder nachrichtendienstlichen Aufklärung geht es um das Sammeln von Informationen über den potenziellen oder tatsächlichen Gegner, um sich so selbst eine vorteilhaftere Ausgangsposition in einem möglichen Konflikt zu verschaffen.

    Nun scheint es zumindest mir plausibel, dass im Zusammenhang mit der gestiegenen Terrorbedrohung potenzielle Täter als Gegner wahrgenommen werden, deren Erkennung nur mit nachrichtendienstlichen Methoden bewerkstelligt werden kann. Zumal die hier angesprochene CDU-Politiker-Truppe offenbar ein wenig straff organisierte Schlagkraft in militärischer Manier signalisieren möchte.

  2. Hans sagt:

    „Aufklärung“ ist hier offenbar nicht im Sinne von „Verbrechens-Aufklärung“ gemeint, sondern im Sinne von „militärische Aufklärung“.

  3. Jens sagt:

    Aha! Also wie beim Aufklärungsflugzeug, das über feindliches Gebiet fliegt und dieses überwacht …. ähm … dort Aufklärung betreibt. Bei der Videoaufklärung ist das Gebiet des Feindes offenbar der öffentliche Raum. Der Feind somit die Bevölkerung. Was das Verhältnis zwischen Sicherheitspolitikern und der Bevölkerung ganz gut beschreibt.