Bomben, virtuelle

Der derzeitige Innenminister fürchtet sich via Massenmedien davor, „kriminelle Banden oder Terroristen“ könnten bald „virtuelle B. zur Verfügung haben“. Wir können ihn beruhigen, vor solchen Bomben muss er sich nicht fürchten – und auch sonst niemand. Ist virtuell doch das Gegenteil von ‚physisch vorhanden‘ und ein virtueller Gegenstand einer, der nur in der Fiktion existiert – in der erdachten oder erträumten Welt. Denn virtuell kommt vom französischen virtuel (‚nicht real, nicht physisch‘), das sich wiederum vom lateinischen virtus (‚Tugend, Charakter‘, eigentlich ‚eines Mannes [vir]‘) ableitet. Es bezieht sich also auf etwas, das höchstens als Metapher funktioniert, ohne selbst vorhanden zu sein. Wovor sich der Innenminister fürchten könnte, wenn er das denn unbedingt will, sind logische B.. Die können tatsächlich einiges Chaos verursachen, in Computerprogrammen. Weswegen man Innenminister Friedrich als eine solche logische B. betrachten könnte, metaphorisch versteht sich. Denn er verwirrt Köpfe.

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Reaktionen

16 Reaktionen zu "Bomben, virtuelle"

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    Bei Aufruf Sieb #017 - idee42
  2. siegfried sagt:

    es ist ja schön, dass hier mal wirklich der sprachliche Hintergrund beleuchtet wird und nicht nur Missfallen an dem dahinter stehendem Thema geäußert wird.
    Aber nach meinem Verständnis ist die Bezeichnung virtuelle Bomben hier gar nicht falsch. Die Bombe steht dafür, dass etwas zer- oder gestört wird (z.B. der Festplatteninhalt durch einen Virus oder Produktionsprozesse durch z.B. stuxnet) und virtuell steht für das Gegenteil von physisch. Die besagte Bombe existiert nicht physisch, gleicht aber in ihrer Wirkung einer real existierenden. Ds entspricht nach meinem Verständnis der Bedeutuung „virtuell“. In diesem Zusammenhang sehe ich virtuell und logisch als nahezu gleichbedeutend an.
    Ob jetzt die Metapher der Bombe so glücklich gewählt ist, kann man dabei natürlich in Frage stellen.

  3. Stefan Blohm sagt:

    Na ja, virtuell wird in der EDV schon seit mehr als 30 Jahren verwendet. So ist zum Beispiel virtueller Speicher (virtual Storage) nicht als Hardware vorhanden, sondern auf einen Datenträger ausgelagert. Ähnlich verhält es sich mit virtuellen Servern.

    Also, virtuell ist schon lange in der Sprache angekommen und hat – wie viele andere Wörter auch – seine ursprüngliche Bedeutung gewandelt. Man denke nur an Auto, die Abkürzung Tel. für Telefon oder gar so verkannte Begriffe wie billig und teuer.

  4. ppp sagt:

    Es fehlen immer noch die „Knallbomben“ vom 20.06.11 in Stuttgart. Die sind viel „zu schoen“ um auf dieser Seite nicht aufgefuehrt zu werden ;)

  5. Granado sagt:

    Virtus = Mannhaftigkeit bzw. Qualitäten, die einem Mann zugeschrieben werden könnten/sollten.
    en virtud de la ley = kraft des Gesetzes
    nicht fiktiv! sondern als Wirkung existent

  6. SandroM. sagt:

    könnt ihr das als Nachtrag hinzufügen?

    Wenn jetzt also „vitus“, genetiv „virtús“, aus dem lateinischen übersetzt „Tugendhaft“ heißt, und tugenhaft wie im französischen Sinne nicht materiell ist, dann würde eine v.B., also folglich eine tugendhafte Bombe, sich auch hier wieder dem Bombardierer zuwenden. Oder dem, der anderen unnötigerweise Schaden zufügt, was in manchen Fällen auch wirklich die Besorgten sein können. Das wäre tugendhaft. Achja- virtuell bezieht sich NICHT auf eine ertäumte Welt, denn das wäre „imaginär“ ein besseres Wort. (um das oben auch zu korrigieren)