Einzelfälle, bedauerliche

Der Plural ist tückisch, wie parlamentarische Zwänge und handwerkliche Fehler bereits zeigten. Ein Einzelfall nun ist per definitionem ein singuläres Ereignis und sollte damit auch als Wort bevorzugt im Singular auftreten. Trotzdem wird er gern in den Plural genötigt – immer dann, wenn es darum geht, zu verschleiern, dass ein Ereignis eben nicht einzigartig ist, sondern vielmehr regelmäßig eintritt. Wie zum Beispiel die Zunahme von Krebserkrankungen in der Nähe von Atomanlagen oder Skandale bei der Bundeswehr (damals wie heute). Somit sind die E. gar keine, sondern systematische Fehler. Diese Litotes, also rhetorischen Abschwächungen, auch noch mit dem Adjektiv bedauerlich zu ergänzen, entlarvt die Jämmerlichkeit des Unterfangens. Impliziert es doch, dass der Einzelfall unvermeidlich war, damit also wahrscheinlich eine systemische Ursache hat und der Betreffende sich leider nicht in der Lage sieht, diesen Fehler im System zu beheben. Obwohl es als Entscheider im Zweifel seine Aufgabe gewesen wäre.

Mit Dank an Jarno R.

Abgelegt in: Politik, allgemein

Hinterlasse eine Antwort

Reaktionen

18 Reaktionen zu "Einzelfälle, bedauerliche"

  1. Pingback von:

    Wo sind die Gedanken? | Rhetorik-Blog
  2. michael sagt:

    Die Farbe der Links ist unglücklich gewählt für meine Augen. Geht’s nicht irgendwie dunkler? Andere Farbe? Rot oder k.A.

    Ich les das Blog echt gerne, aber wegen den Farben lieber im Feedreader :-)

    grüße
    michael

  3. suchenwi sagt:

    „Die Welt ist alles, was der bedauerliche Einzelfall ist.“ – #Twittgenstein