Markenkern

Politische Parteien sollen die Ziele derjenigen verwirklichen, von denen sie gewählt wurden. Marken sollen denen Geld bringen, die sie sich ausgedacht haben. Wenn es daher heißt, der M. der FDP sei beschädigt, Innere Sicherheit mache den M. der CDU aus oder der Atom-Ausstieg gehöre nicht zum M. der SPD, dann stimmt irgendetwas nicht. Offenbar handelt es sich hier um eine Art Wirtschaftssprech. Politik als Produkt, gezielt entwickelt, um sich am Wählermarkt gut verkaufen zu lassen.

Es mag leider wahr sein, dass die einstigen Kampforganisationen nur noch solche zum Verkauf entworfenen Marken sind, gut ist es nicht. Weil sie dann nicht mehr vertreten, was ihre Wähler sich erwarten. Sondern nur noch das, von dem sie glauben, dass es möglichst viele Menschen kaufen wünschen. Politik wird auf diese Art beliebig, austauschbar. Sie hat keine Ziele mehr. Und eine politische Partei, die sich sogar an ihre Inhalte erinnern muss, hat eben jene offensichtlich längst vergessen und besitzt somit auch keinen M.. Die Aussage, er sei nun beschädigt, dürfte damit zumindest eine starke Untertreibung sein.

Weitere sprachlichen Umdeutungen und Neuschöpfungen:

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Reaktionen

25 Reaktionen zu "Markenkern"

  1. Pantau sagt:

    Aber auf Langstrecke funktioniert diese Art bei Parteien ja Gott sei Dank nicht. Wenn die FDP z.B. eine beinharte konsequente klassisch-liberale Politik gefahren hätte, wäre sie vielleicht auf Grund von Inkompatibilitäten mit anderen Parteien öfter in der Opposition gelandet, sie würde jedoch auch von ihren Gegnern weder als „inhaltsleer“ noch als „Umfallerpartei“ geschweige denn als „Lobbypartei“ war genommen (ironischer Weise tritt der klassische Liberalismus für eine Politik ein, welche Lobbyismus sinnlos macht, da der Staat schlicht keine Extrawürste braten darf.).

    Es ist z.B. nicht Aufgabe einer Partei zu ergründen, was die aktuelle Mehrheit gerade unter „Gerechtigkeit“ versteht, sondern es wäre ihre Aufgabe der FDP gewesen, das neusprech „soziale Gerechtigkeit“ (fehlt hier übrigens als eigenes Thema) als solches zu entlarven. Denn das „sozial“ vor dem Begriff „Gerechtigkeit“ ist ein sog. „Wieselwort“, es entzieht dem Folgewort seinen ursprünglichen Sinn, ähnlich wie ein Wiesel ein Ei völlig leer saugt und die Schale nahezu intakt lässt. Wenn die FDP stärker darauf hingewiesen hätte, dass „Gerechtigkeit“ zunächst bedeutet, körperliche Unversehrtheit, Freiheit, Eigentum und die Einhaltung von Verträgen zu garantieren, und das sog. „soziale“ Verhalten des Staates genau das tut, was der Staat eigentlich verhindern sollte und zudem der Begriff „sozial“ nur mit „Freiwilligkeit“ überhaupt denkbar ist, dann hätte diese Partei deutlich mehr Anhänger. Wenn Sie dem Bürger klar machen würde, dass es unethisch ist, auf Kosten des Nachbarn gegen dessen Willen zu leben und dass jede Form sozialer Aktivität nur auf Spenden oder Stiftungen beruhen kann, da sie sonst von einem ordinären Raub sich ethisch nicht unterscheidet.

    Aber das Problem ist, dass die meisten FDP-Anhänger weder Roland Baader, noch Ludwig von Mises, Murray Rothbard oder Friedrich von Hayek geschweige denn Ayn Rand jemals gelesen haben und oft keinen blassen Dunst haben von der ethischen und ökonomischen Theorie ihrer eigenen politischen Richtung!

    OK, die meisten Linken haben ihre Ikonen auch nie gelesen, aber als Linker ist man per Definition ein „Guter“ und muss sich weder geistig mit was auch immer auseinandersetzen geschweige denn rechtfertigen müssen.

  2. Ludwig Trepl sagt:

    Hmm, ob die Zahl der FDP-Anhänger wirklich größer wäre, wenn diese Partei sich an den liberalen Theoretikern orientieren würde? Mir jedenfalls wurde diese Ideologie erst dann so richtig unsympathisch, als ich mich anhand von Theoretikern mit ihr etwas vertraut gemacht hatte und nicht mehr dachte, liberal bedeute das, wofür Leute wie Scheel, Hamm-Brücher oder Baum stehen.

    Der ursprüngliche Sinn von Gerechtigkeit ist übrigens keineswegs das, was sie schreiben. Das mag der Sinn sein, den man dem Wort in den politischen Philosophien des Liberalismus gegeben hat, aber der ist ja um einiges jünger als der Begriff Gerechtigkeit.

  3. Pantau sagt:

    @Ludwig Trepl

    Ich denke, auch schon vor 5000 Jahren wurde unter „Gerechtigkeit“ verstanden, dass A erntet, was A säte und dass B erntet, was B säte. Ungerechtigkeit hingegen liegt vor, wenn B mit Gewalt A dazu zwingt, auf seine Rechnung leben zu dürfen. Meinen Sie nicht?

    Richtig unsympathisch ist mir übrigens jede Ideologie, welche der Meinung ist, A die Pistole das Staates an die Schläfe zu halten und ihn zu zwingen, B zu alimentieren habe IRGEND ETWAS mit „Gerechtigkeit“ zu tun. Und JA, es gibt eine ganze Menge Liberale, welche genau deshalb die FDP nicht wählen, da sie im Grunde auch nur eine von vielen sozialistischen Parteien ist ohne liberale Grundsätze.

    Wenn Eigenschaften wie „sozial“ oder „solidarisch“ erzwungen werden, handelt es sich bei dieser Gesellschaft um eine von jeder Gerechtigkeit unbewohnte Insel.

  4. Bernd sagt:

    wie wäre es als nächstes mit „Hebel“?
    irgendwann war er plötzlich da. politiker schienen ihn bei der bevölkerung als bekannt vorauszusetzen.

  5. Ludwig Trepl sagt:

    Ein bißchen anders ist es gewöhnlich schon: A erntet etwas, was er nicht oder nicht allein erzeugt hat, sondern B hat zumindest mitgeholfen. Wenn dann der Staat A dazu zwingt, dem B wenigstens ein bißchen von dem zu geben, was ihm zusteht, dann fällt das unter Gerechtigkeit. Es handelt sich um nichts anderes als in einem Fall, in dem der Staat einen Dieb dazu zwingt, das Diebesgut zurückzugeben.
    Der Fall, auf den Sie anspielen, nämlich daß A tatsächlich nur erntet, was er verdient, d. h. was ihm zusteht, kommt auch vor, aber selten, historisch ebenso wie heute.

  6. Pantau sagt:

    @Ludwig Trepl

    Keineswegs. Was steht denn B zu? Hatte er nicht VORHER zugestimmt, für eine bestimmte Arbeit einen bestimmten Lohn zu erhalten? Hatte er nicht die Möglichkeit, in seiner Garage selber für sich zu schrauben, um seine Arbeitsfrüchte dann auf eigenes Glück wie eigenes Risiko zu vermarkten? Hätte er nicht auch zu jedem anderen gehen können, wenn dieser Arbeitgeber so schlecht ist?

    Obwohl die marxistische Arbeitswertelehre schon seit hundert Jahren widerlegt ist und selbst die Linkspartei diese nicht mehr vertritt (ich habe persönlich per Mail nachgefragt), wird diese immer wieder implizit als Argumentationsbasis verwendet. Warum nur?

    Es gibt keinen objektiven Wert eines Produktes, einer Dienstleistung oder einer Arbeit. Wenn ein Arbeitnehmer meint, dass der Arbeitgeber mit seiner Arbeit ach so viel verdient und er doch viel zu wenig bekommt, so sollte er sich darüber im Klaren sein, dass offenbar die Kunst, einen Arbeitsablauf der Konstruktion, des Baus und des Verkaufes einer Maschine auf die Beine zu stellen deutlich knapper ist als die Dienstleistung z.B. der Montage. Jene Knappheit findet ihren Niederschlag im Preis. Mehr hatte er also auch nicht zu bekommen. Wenn es plötzlich zehnmal mehr Ingenieure gäbe, welche ihre Kunst anböten, dann würden jene Ingenieure nur noch so viel verdienen wie Frisöre, und zwar mit Recht, denn ihre angebotene Leistung wäre nicht mehr hinreichend knapp für einen höheren Preis. Dies würde sich natürlich sehr schnell wieder ausregeln, denn bei diesen Aussichten würde keiner mehr ein solch schweres Studium auf sich nehmen und die Knappheit würde wieder steigen – so regelt sich ein Markt.

    Dass ein Marktlohn (bereits als ethischer Status quo) schon in der Antike galt, zeigt nicht zuletzt die Bibel im Gleichnis vom Weinberg, wo ja gerade darauf hingewiesen wird, dass DER Lohn der gerechte ist, welcher vereinbart war.

    Ein Arbeitnehmer verdient, was er für seine Arbeit bekommt, was ihm freiwillig gegeben wird. Wenn er dem Unternehmer eine Pistole an die Schläfe hält und mehr will oder den Umweg über eine Partei geht, welche an die Macht gekommen seinen Sonderinteressen Rechnung trägt und das mit der Pistole für ihn übernimmt, ist er ein schlichter Räuber – abgesehen davon dass dieses „mehr“ auch noch auf Kosten der Arbeitslosen geht. Der Markt kann bei einem Lohn über dem natürlichen Marktlohn nicht geräumt werden, mit anderen Worten erkauft er sein mit Gewalt durchgesetztes Mehr an Lohn mit der Arbeitslosigkeit seiner Mitbürger. Einen Unternehmer kann man mit Gewalt zu allem zwingen – die natürlichen Marktgesetze nicht.

  7. triplesmart sagt:

    Gleich nach dem Markenkern kommt ja auch dieses „Profil schärfen“ was bei mir immer Assoziationen zu „Messer wetzen“ oder „sich schneiden“ auslöst.

  8. manfred (59) sagt:

    @Pantau

    Machen wir es konkret: Wenn der neue rumänische Besitzer dort in Dessau (ich nehme an, das Beispiel ist bekannt) jetzt 48 statt 38 Wochenstunden fordert und dafür rumänische Löhne zahlen will, ist er im Recht, während die Belegschaft, die die Einhaltung der bisher geltenden Tarifverträge fordert, eine Räuberbande der übelsten Sorte ist, schließlich hat sie mit dem zufrieden zu sein, was ihr der neue Besitzer freiwillig gewhrt. Ist es das, was Sie meinen?

  9. Ludwig Trepl sagt:

    @ Pantau
    Fantastisch! Ich hätte nie für möglich gehalten, daß es das wirklich gibt: „Hatte er nicht VORHER zugestimmt, für eine bestimmte Arbeit einen bestimmten Lohn zu erhalten?“ Ich hab‘ immer gedacht, so etwas hätten die Sozialisten zu Diffamierungszwecken erfunden. Hoffentlich entdeckt nicht Frau Wagenknecht diesen Beitrag und benutzt ihn für ihre Propaganda.