Markenkern

Politische Parteien sollen die Ziele derjenigen verwirklichen, von denen sie gewählt wurden. Marken sollen denen Geld bringen, die sie sich ausgedacht haben. Wenn es daher heißt, der M. der FDP sei beschädigt, Innere Sicherheit mache den M. der CDU aus oder der Atom-Ausstieg gehöre nicht zum M. der SPD, dann stimmt irgendetwas nicht. Offenbar handelt es sich hier um eine Art Wirtschaftssprech. Politik als Produkt, gezielt entwickelt, um sich am Wählermarkt gut verkaufen zu lassen.

Es mag leider wahr sein, dass die einstigen Kampforganisationen nur noch solche zum Verkauf entworfenen Marken sind, gut ist es nicht. Weil sie dann nicht mehr vertreten, was ihre Wähler sich erwarten. Sondern nur noch das, von dem sie glauben, dass es möglichst viele Menschen kaufen wünschen. Politik wird auf diese Art beliebig, austauschbar. Sie hat keine Ziele mehr. Und eine politische Partei, die sich sogar an ihre Inhalte erinnern muss, hat eben jene offensichtlich längst vergessen und besitzt somit auch keinen M.. Die Aussage, er sei nun beschädigt, dürfte damit zumindest eine starke Untertreibung sein.

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Reaktionen

25 Reaktionen zu "Markenkern"

  1. Pantau sagt:

    @manfred (59)

    Nein. Der „neue Besitzer“ wird damit meiner Meinung nach auch auf die Nase fallen und dies sei ihm gegönnt.

    Zudem sagte ich ja, dass es relevant ist, „was vereinbart wurde“ – dies gilt für BEIDE Seiten. Verträge sind ein zu halten. Jedoch enthalten Tarifverträge Kündigungsklauseln und in deren Rahmen machen ja auch gerne Betriebsräte und Gewerkschaften davon gebrauch, weshalb also nicht auch der Arbeitgeber? Recht hätte er, wenn seine Forderung durchsetzbar wäre, was nur der Fall ist, wenn sein neu angebotener Stundenlohn die Knappheit der angebotenen Arbeit wieder spiegelt (was ich in dem Fall nicht glaube).

    Ich habe am Anfang meiner Karriere für ein Ingenieurbüro gearbeitet und bis zu 70 Stunden die Woche geackert. Mein Verdienst betrug ca. 2600€/Monat. Mein BRUTTO-Stundenlohn als Dipl.-Ing. mit einschlägiger Elektronikerausbildung betrug also etwas über 10€, netto hatte ich demnach ca. 6€/h.

    Das habe ich als Anfänger ca. 2,5 Jahre mitgemacht und dann habe ich mit meinem Chef gesprochen und ihm gesagt, dass ich deutlich unter Marktlohn bezahlt würde und den Beweis hiermit durch meine Kündigung und den Wechsel in ein DAX-Unternehmen mit weitaus besserer Bezahlung antreten würde. Dann hatte ich geregelte Arbeitzeiten mit einem 8h-Tag und ein Monatseinkommen von über 4000€ brutto.

    Wenn man niemanden findet, der einem die eigene Arbeit für mehr Geld abkauft, dann ist diese Leistung auch nicht mehr wert, es existiert kein anderes Mittel, einen „fairen“ Lohn zu errechnen. Wenn morgen niemand mehr Bananen mag, dann singt der Wert einer Banane auf Null – ganz egal, wie sich die Mitarbeiter im Wertschöpfungsprozess abmühten. Ihre Arbeit ist dann auch nichts mehr Wert.

    Hinzu kommt noch ein weiterer Gesichtspunkt: Die „Wertschöpfung“ einer Arbeitsstunde hängt zum Einen von der Arbeitsleistung des Mitarbeiters ab und diese ist individuell verschieden, zum Anderen jedoch auch vom Unternehmer. Hat er nicht das Know-how oder auch die Kapitalausstattung eines anderen Unternehmers z.B. in Form von guten Maschinen, Patenten oder auch Organisationstalenten, dann ist die Wertschöpfung des Mitarbeiters eben niedriger und er kann sich keinen so hohen Stundenlohn leisten, da die Arbeitsstunde diesen eben nicht abwirft, auch wenn der Arbeitnehmer sich sehr anstrengte. Was soll der Unternehmer machen, außer dass er mit den Mitteln, welche er im Augenblick hat versucht, so viel Kapital zu akkumulieren (also zu sparen), dass er jene Verbesserungen irgendwann finanzieren kann, es liegt ja schließlich auch in seinem Interesse, denn wer die niedrigsten Löhne zahlt, hat irgendwann natürlich auch die schlechtesten Mitarbeiter, da alle anderen kündigten.

  2. Pantau sagt:

    @Ludwig Trepl

    Nun, ich konnte als Kind auch nicht glauben, dass es eine solch schäbige, ekelhafte Pseudomoral gibt, aus welcher heraus jemand der Meinung ist, er habe einen Anspruch darauf, vom Anderen alimentiert zu werden.

    Was für eine Anmaßung zu glauben, dem anderen habe meine Arbeit mehr Wert zu sein, als sie es ist. Ist sie aber nicht! Sie könnten also bestenfalls dem Anderen vorwerfen, dass er es zu einem Vertrag kommen lässt, er Ihnen also jenen niedrigen Preis zahlt. Aber warum? Ist der Arbeitnehmer kein erwachsener und mündiger Mensch? Offenbar empfindet er es als vorteilhafter, diesen Vertrag ein zu gehen als es sein zu lassen. Somit ist die Existenz dieses Arbeitgebers immerhin besser, als wenn es ihm überhaupt nicht gäbe. Aber woher nehmen Sie die Dreistigkeit, dass jener Arbeitgeber leistungsentkoppelt zu zahlen und somit zu alimentieren habe? Die aller meisten Arbeitgeber haben überhaupt keine Verwendung für Sie! Noch böser, oder?

    Frage: Haben Sie außer Frau Wagenknecht noch andere Argumente, vielleicht aus Symmetriegründen noch auf der rechtsextremen Seite ein, zwei genau so intelligente Exemplare, wo ich vielleicht genau so anecke?

  3. manfred (59) sagt:

    @ Pantau

    Sehen Sie, Pantau, genau das ist IHRE Doppelmoral: Sie finden es „ekelhaft“, wenn jemand sich von anderen alimentieren läßt, finden es aber gleichzeitig völlig normal, für Menschen „keine Verwendung“ zu haben. Leute mit dieser Einstellung verwenden Menschen, benutzen sie für eigene Zwecke, beuten sie aus, lassen sich also von den so zur Verfügungsmasse Degradierten alimentieren und rufen dann noch: „Selber Schuld!“ Ich find DAS ekelhaft.

  4. Pantau sagt:

    @manfred (59)

    Was soll das denn, SIE haben ja wohl auch kaum für jeden Arbeitnehmer „Verwendung“ geschweige denn, dass Sie diesen für 10€/h beschäftigen könnten!

    Wenn ein Unternehmer einen bestimmten Arbeitsprozess bewertet und zum Schluss kommt, dass dieser ihm 5€/h wert sei, falls er daraus einen Arbeitsplatz macht, dann hat dieser Unternehmer genau zwei Möglichkeiten: Er bietet diesen Arbeitsplatz zu diesem Lohn an oder er bietet keinen Arbeitplatz an und löst das Problem z.B. mit Technik.

    Und JA, natürlich habe ich etwas dagegen, dass jemand sich seine Alimentierung auf Kosten des Nachbarn erzwingt und ich finde das natürlich ekelhaft und JA, genau wie SIE AUCH, habe ich für die aller meisten Menschen dies Planeten KEINE VERWENDUNG, liege denen jedoch natürlich auch nicht gegen deren Willen auf der Tasche. Was zur Hölle ist daran eine „Doppelmoral“? Es ist doch totaler Unfug, von einem Unternehmer zu fordern, er solle 10€/h bezahlen für eine Arbeitskraft, welche einen Marktwert von 5€/h hat, zumal das dann bedeutet, dass der Markt nicht geräumt wird (wg. Angebots- und Nachfragefunktion) und viele Menschen dann ohne Arbeit auf der Straße stehen.

    Der Demokrat Bill Clinton machte es in den USA schon richtig: Sozialhilfe nur für wenige Jahre und auf das ganze Leben bezogen (außer bei Krankheit), danach ist Sense. Unglaublich, wer da auf einmal nicht mehr seinem Nachbarn zwangsweise auf der Tasche lag und seinen Hintern für seinen eigenen Lebensunterhalt selber bewegen konnte!

    In Deutschland hingegen verwechselt man den Arbeitgeber (welcher schlicht ein Vertragspartner auf Grund vereinbarter Leistung gegen Leistung ist) mit Mami. Der Arbeitgeber sei dazu verpflichtet, dem Arbeitnehmer ein menschenwürdiges Einkommen zu bescheren (unabhängig von seiner Arbeitsleistung, versteht sich). Wer sorgt denn bitte dafür, dass der Gründer eines Elektroladens sein „menschenwürdiges Einkommen“ hat, oder ein selbstständiger Rechtsanwalt, welcher oft für weniger als 5€/h arbeitet, weil die Kunden (=Mandanten) eben nicht mehr einbringen? Bei denen ist klar, das nur verteilt werden kann, was erwirtschaftet wurde und dass sich der Preis ihrer Produkte und Dienstleistungen nach dem Markt zu richten haben (und hoppla! – Damit auch automatisch ihr Einkommen.). Weshalb ist es also „menschenunwürdig“, die Dienstleitung von Arbeitnehmern nach denselben Kriterien jener „Knappheit“ des Angebotenen zu bewerten, wenn es wie selbstverständlich für alle Selbständigen gilt?

  5. Tina sagt:

    Ich muss grob dem Beitrag widersprechen: Natürlich hat Politik immer Ziele. Wie jedes System in sich Ziele verfolgt (vgl. Luhmann). Jeder, der schon einmal politisch aktiv war, egal ob auf kleinem oder großem Parkett, verfolgt Ziele. Und wenn es das Leitziel (vgl. Leitdifferenz) Macht ist. Wer schon einmal bei einem Kongress von Jungpolitikern, egal ob JuSos oder JuLis oder JU war, weiß, wie hart umd die Ziele diskutiert und gekämpft wird, die letztendlich in der Programmatik festgehalten werden. Diese Ziele bestimmen klar den jeweiligen Markenkern. Bei der FDP war dieser über Jahre etwa ein Dreiklang: „freiheitlich, modern, optimistisch“. Dieser Markenkern hat sämtliche Kommunikation über Jahre gelenkt, z. B. in der Tonalität und der Bildwelt.

    Meiner Ansicht nach wird der Begriff „Markenkern“ zu lax und zu beliebig gewählt. Ein Thema ist kein Markenkern. Daher gilt: Im Zweifel mal die Schnauze halten.