Bad Bank

Übernahme aus dem Englischen. Neologismus. Bezeichnung der Politik für den Ort, an dem toxische oder faule Papiere gelagert werden – was gleich aus mehrfacher Hinsicht eine interessante Formulierung ist: Suggeriert es doch erstens, dass es auch gute Banken gibt – eine zumindest zweifelhafte Annahme. Zweitens ist es ein Euphemismus, da es ja nicht um eine schlechte Bank geht, sondern um Wertpapiere, die nichts wert sind (weswegen ihnen der Wert auch in der Wortkonstruktion genommen wurde: denn sind sie toxisch, sind es nur noch Papiere). Drittens spielt B.B. mit der Assoziation des Bad Guy, also mit der Vorstellung dieser üblen, aber doch irgendwie coolen Typen aus dem Kino. Was eine Frechheit ist, lässt sich doch am mutwilligen Ruinieren fremder Leute nichts Cooles entdecken. Und viertens lenkt es davon ab, dass der Begriff Müllkippe, beziehungsweise gar Zeitbombe wohl angemessener wäre. Oder, wenn es denn unbedingt ein beschönigendes Etikett sein muss, wenigstens Wertstoffhof.

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Reaktionen

18 Reaktionen zu "Bad Bank"

  1. flopaule sagt:

    Die Formulierung „Suggeriert es doch erstens, dass es auch gute Banken gibt – eine zumindest zweifelhafte Annahme.“ macht aber ein Fass auf! Das hätte ich gerne begründet gesehen. Banken gehören zu den Wirtschaftssystemen wie das Herz in Organismen schlägt.

    Ein Beispiel für eine gute Bank: Ist die KfW-Bank, mit Ihrer Finanzierung der Erneuerbaren Energien (Programm 270), eine schlechte Bank?

    Ohne Banken keine Moderne!

    Zum Thema Bad Bank:
    http://www.amazon.de/Dominoeffekte-im-Bankensystem-Theorien-Evidenz/dp/3870617950/ref=sr_1_7?ie=UTF8&qid=1298063734&sr=8-7

    Empfehlenswert zum Thema Geldentwicklung:
    http://www.amazon.de/Eigentum-Zins-Geld-Gunnar-Heinsohn/dp/3895185876

  2. Kai Biermann sagt:

    @flopaule: dann fragen Sie bei Ihrer Bank doch mal, warum Ihr Dispozins mehr als zehn Mal so hoch ist wie der Leitzinssatz… Es geht aber eher darum, wie hier auch schon angemerkt wurde, dass alles, was nicht bad ist dann wohl good sein muss.

    Lg
    K

  3. Bud sagt:

    da die Sicherheiten einer solchen Bank wertlos sind, aber die Bank als solche wiederum Schuldner anderen Entitäten ist kann nur folgender Schluss zulässig sein.

    Banken mit ‚echter‘ positiver Bilanz = Wertstoffhof
    Banken in den Miesen = Atommüll-Zwischenlager

    bud

  4. Mibuc sagt:

    Ohne mich da zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen, aber so wie ich den Begriff >Bad Bank< in den letzten Monaten/Jahren verstanden habe, ist das nicht eine abwertende Bezeichnung für verschiedene Kreditinstitute, sondern eher eine Art, um mal JanWo´s Wortschöpfung zu bemühen, "Wertlosstoffhof" innerhalb der Banken.

    Dahin werden die ganzen Verlustgeschäfte ausgelagert, und aufbewahrt in der Hoffnung das diese irgendwann mal wieder einen Wert bekommen, und sind (glaube ich) auch nicht mehr Bilanzrelevant.

  5. @gemanistik sagt:

    „Bad Bank“ klingt nach totum pro parte, zumindest in der vorliegenden Erklärung, wenn tatsächlich nur die Wertpapiere und nicht die gesamte Bank gemeint sind mit dem Begriff.

  6. Pingback von:

    1984 und „Neusprech“ | Anti-Atom-OWL
  7. Lemming sagt:

    Noch ein schöne Irreführung findet sich auf den Nachdenkseiten: Die Bezeichnung, dass bei der Finanzkrise Geld verbrannt worden sei. Damit erweckt man den Eindruck, dass Werte vernichtet wurden und es daher zwecklos sei, diese Werte bei irgendwem zu suchen oder gar zurückzufordern. Die Nachdenkseiten erwähnen den Hedgefondsmanager John Paulson, bei dem sich jede Menge „verbranntes“ Geld angesammelt hat.
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=9297