schonungslos

Sich nicht zu schonen, ist ein gefährliches Konzept. Jeder braucht schließlich ab und zu Ruhe und Erholung, sonst geht er kaputt. Weshalb der Begriff auch im Sinne von kalt und unmenschlich verstanden wird. Trotzdem ist s. in der Politik beliebt. Denn es signalisiert, dass sich dort jemand mit all seiner Kraft für eine Sache einsetzt, oder das zumindest behauptet. Es sollte allerdings skeptisch machen, dass es in der politischen Alltagssprache ein ganzes Rudel Synonyme dafür gibt: bedingungslos, lückenlos, rückhaltlos, vorbehaltlos – immer geht es darum, jeden Zweifel am Gesagten zu zerstreuen. Als besonders lückenlose Form der schonungslosen politischen Handlung hat Roland Koch gar einst die brutalstmögliche Aufklärung erfunden. Und damit vor allem bewiesen, dass das sprachliche Bild längst abgenutzt ist. Denn es genügt offensichtlich nicht mehr, etwas aufzuklären, aufzudecken, offenzulegen oder zu enthüllen. Immer muss es gleich der Superlativ sein. Trauen wir Politikern nicht mehr, wenn sie etwas sagen? Trauen sie sich selbst nicht? Oder wollen sie gar etwas anderes sagen, wenn sie den Ausdruck s. benutzen? Die Befürchtung zumindest verwundert nicht. Denn wer so unterstreicht, dass er sich und andere bei der Aufdeckung von Fehlern nicht schonen will, hat unter Umständen genau das vor und möchte lediglich davon ablenken.

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Abgelegt in: Politik, allgemein

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