zeitnah

Beliebte „Blähvokabel“ (Pleonasmus), klingt so schön eilig. Bedeutet jedoch eigentlich: irgendwann, vielleicht aber auch nie (und ist somit eine Antiphrase). Umgangssprachliche Entsprechung ist der Satz: „Jaja, gleich (und jetzt hau ab).“ Das sollte man dann auch schleunigst tun, wird man doch von solchen Zeitgenossen nie eine konkrete Antwort bekommen.

Mit Dank an Wolfgang B.

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Abgelegt in: Politik, allgemein

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Reaktionen

37 Reaktionen zu "zeitnah"

  1. philgeland sagt:

    „Irgendwann“ ist so gut wie „nie“.

  2. FG sagt:

    @j 23.05. 18:41

    nein, Du bist nicht der einzige, der das so sieht. im gegenteil, Du bist (fast) der einzige, der es korrekt ausgedrückt hat.

    „Nach meiner Auffassung beschreibt das Adjektiv doch etwas flexibler die Spanne zwischen “sofort, falls möglich” und “sehr bald”.“

    das entspricht exakt meiner auffassung und der verwendung im sprachgebrauch, wie mir bekannt.

    bzw auch Michael W 23.05. 19:56

    „Im Unternehmensumfeld ist das eine Höflichkeitsfloskel für ASAP!“

    treffer.

    @peer 28.05. 7:31

    das kenne ich anders. amis (herkunft „ASAP“) sagen idR „äjsäp“. alles, was man aussprechen kann, wird normalerweise ausgeprochen (ausnahmen b.d.R.). zT werden abkürzungen/akronyme ja sogar so gestrickt, dass man sie besser aussprechen kann als bei ausschließlicher verwendung der anfangsbuchstaben. bsp. ELENA (D), NASCAR statt NAFSCAR, RADAR statt RDAR, LASER statt LABSEOR etc

  3. siegfried sagt:

    Wieso ist denn „zeitnah“ ein Pleonasmus? Die Wörter zeit und nah sind aus meiner Sicht nicht bedeutungsnah oder inhaltlich redundant (wie z.b. bei einer runde Kugel).
    @Michael W: ich sehe dies auch als höfliche Form des „so schnell wie möglich“.

    Und ja, dieses Wort wird im normalen Sprachgebrauch nicht oder höchstens ironisch genutzt, sondern ist eine klassische „Bürovokabel“. Ich sehe aber nichts Verwerfliches daran, dass einige Wörter nur in einem bestimmten Umfeld genutzt werden. Man unterhält sich schließlich auch mit der Oma am Kaffeetisch anders als mit Freunden beim Bier trinken im Park.

  4. Florian sagt:

    @siegfried:

    Das habe ich mich auch gerade gefragt! Das Compendium Rhetoricum von Hans Baumgarten definiert Pleonasmus so: „Mehrfachausdruck: Das Gemeinte wird zwei- oder mehrmals bezeichnet (Synonymenhäufung). Oft besagt das Attribut dasselbe wie sein Beziehungswort.

    Beispiele: Alte und Greise, schwarzer Rabe

    Aber „zeitnah“? Nö. Gehört doch eher in die Kategorie Periphrase (wenn es eine beschönigende Funktion hätte, würde ich Euphemismus sagen), oder? „Ein Ausdruck wird mehr oder weniger weitläufig umschrieben.“

  5. Martin Haase sagt:

    Es ist ein Pleonasmus, weil nah die Dimension Zeit schon enthält. Es heißt: Das Ende ist nah. und nicht: Das Ende ist zeitnah.

  6. siegfried sagt:

    @Matrin Haase: Das sehe ich anders. Denn dann müsste es ja auch reichen, wenn mein Chef zu mir sagt: „Ich brauche den Bericht nah.“ Das reicht aber nicht, da „zeit“ und „nah“ keine ähnliche Bedeutung haben. Dies ist aber nach meinem Verständnis die Definition für einen Pleonasmus, oder? „Nah“ ohne das „zeit“ macht in dieser Situation gar keinen Sinn mehr.
    Und der Satz mit dem Ende würde aus meiner Sicht richtigerweise heißen: Das Ende wird zeitnah kommen. Etwas kann nicht „zeitnah“ sein, genauso wie etwas nicht „sofort“ sein kann.

  7. Martin Haase sagt:

    Das mit der ähnlichen Bedeutung ist eine Nebelkerze: schwarz und Rabe haben auch keine ähnliche Bedeutung. Der Satz: Das Ende wird zeitnah kommen. zeigt übrigens sehr schön, dass zeitnah keine besondere Form von nah ist, denn er ist nicht gleichbedeutend mit: Das Ende wird nah kommen. Es ist vielmehr ein Ersatzwort für bald; es lässt sich nun darüber streiten, ob es sich (mit Bezug auf die Konnotation) um ein aufgeblähtes bald oder ein abgeschwächtes handelt. Auf jeden Fall ist aber klar, dass es sich bei der Nähe in nah um eine zeitliche Nähe handelt, weshalb das modifizierende Erstglied zeit- keine wirkliche Information enthält und somit (mit Bezug auf die Denotation/Bedeutung) pleonastisch ist.

  8. Michael K sagt:

    Bei „das Ende ist nah“ ist die Dimension Zeit in „das Ende“ enthalten (wobei: das Ende der Steigung ist ganz nah — räumliche interpretation möglich). Bei „Leute feierten nah und fern“ ergibt sich die Dimension Raum aus dem Zusammenhang.

    Aber aus „erledigen Sie das bitte nah“ geht für mich nicht hervor, ob man es bald tun, oder aber sich dabei nicht zu weit vom Standort entfernen soll. Deswegen sagt man das m.E. auch nicht (habe ich zumindest nie gehört). Zeitnah ist zwar gekünstelt und auch nicht präzise, aber in Bezug auf die Dimension eindeutig.

  9. Freddy sagt:

    Falsch. „Zeitnah“ heißt „auf die Zeitumstände bezogen“. Die meisten Menschen verstehen das Wort besser, wenn man Ihnen das gleichbedeutende Fremdwort sagt: „aktuell“. Diejenigen, die in E-Mails etwas „zeitnah“ einfordern, blamieren sich, denn sie trauen sich nicht, etwas Banales hinzuschreiben: Sie wollen eine Aufgabe schnell erledigt haben.

  10. Peter sagt:

    … zeitnah ist wenigstens ein deutsches Wort. ASAP hingegen vereint alle Merkmale der akademischen Angeberei: es klingt protzig, ist eine BlöAb (Blöde Abkürzung), kommt aus dem „GeschäftsDenglisch“ und würde von Briten sicher nicht verwendet werden.
    Da ist mir mein „ZEITNAH“ lieber. Möglichst bald oder so ……