zeitnah

Beliebte „Blähvokabel“ (Pleonasmus), klingt so schön eilig. Bedeutet jedoch eigentlich: irgendwann, vielleicht aber auch nie (und ist somit eine Antiphrase). Umgangssprachliche Entsprechung ist der Satz: „Jaja, gleich (und jetzt hau ab).“ Das sollte man dann auch schleunigst tun, wird man doch von solchen Zeitgenossen nie eine konkrete Antwort bekommen.

Mit Dank an Wolfgang B.

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Abgelegt in: Politik, allgemein

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Reaktionen

37 Reaktionen zu "zeitnah"

  1. rollinger sagt:

    „Zeitnah“ wir hier in der „Fabrik“ benutzt als so schnell wie möglich um nicht zu sagen „sofort“. Nur mal so gesagt.

  2. awmrkl sagt:

    @effka: „Um die Echtzeit vertieft zeitnah zu betrachten, bedarf es eines Zeitfensters!“

    Steigerung:

    Um in Echtzeit an dieser Stelle vertieft zeitnah zu betrachten, bedarf es eines engen Zeitfensters!

    Wer kanns toppen? ;-)

    Mein Vorschlag fürs nächste Blähwort:
    „an dieser Stelle“

    Was hab ich deswegen schon in mein Schreikissen gebissen …

    Adi

  3. peterutz sagt:

    … wir verfügen über zeitnahe Berichte von den Ereignissen im März 1848 …

    Das Adjektiv „zeitnah“ beschreibt also Berichte, die kurz nach den Ereignissen entstanden sind, von denen sie berichten. Kürzer und treffender kann man es wohl kaum ausdrücken. In diesem Fall würde ich es verwenden, obwohl es mir sonst stilistisch nicht gefällt und ich es vermeide!

  4. Matthias sagt:

    „Es ist ein Pleonasmus, weil nah die Dimension Zeit schon enthält.“ ist natürlich Unsinn, kann sich „nah“ doch auch ausschliesslich auf den Raum beziehen (Wie in „So nah an der Autobahn möchte ich aber nicht wohnen.“). Daneben kann es zumindest in Worterbindungen auch z.B. emotionale Verbundenheit ausdrücken (z.B. „Der Tod eines nahestehenden Freundes kann eine Depression auslösen.“ Oder „Der Verlust seines Hundes ging ihm sehr nah(e)“.), hier fehlt ebenfalls jeglicher Bezug zur Zeit. Zeitlich wird das Wort ist also nur eine mögliche Bedeutung, je nach Kontext.

    Viel häufiger als „nah“ wird dessen Superlativ „am nächsten“ in zeitlicher Dimension benutzt, jedoch nicht in der Bedeutung „bald“ sondern „es gibt kein näheres, also auf den jetztigen Zeitpunkt bezogen früher stattfindendes Ereignis“. „Das nächste Jahrtausend“ oder „die nächste Lohnerhöhung“ müssen durchaus nicht „bald“ stattfinden.

    Siehe auch Duden „nahe“. Interessanterweise trotz

  5. Übersetzer sagt:

    Das ist auch ein Wort, das mich schon lange nervt. Unnötig, weil es andere Begriffe verdrängt, die nicht schlechter oder ungenauer, sondern höchstens länger sind. Dasselbe gilt für das schreckliche „asap“, das auch die Entfremdung von der Muttersprache zeigt.

  6. nimrod sagt:

    So ein affiges, aufgesetztes Wort. Würden seine Benutzer sein Pendant genau so distinguiert vor sich hertragen:“raumschnell“ für einfach „nahe“?

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